Ein wirklich gutes Jahr (Pretty Good Year)
von Mary Borsellino, übersetzt von Cúthalion
Kapitel 43
Freudenfeuernacht
Freudenfeuernacht, Sterne voller Pracht, jeder kleine Hobbit hat sich feingemacht. Magst du Kuchen haben, und ein Pfeifchen fein? Willst du spät am Abend bei den Mädchen sein?
Fastred, hör augenblicklich auf zu singen. Rosie stopfte dem Jungen eine Wurst samt Brötchen zwischen die Zähne, um ihn zum Schweigen zu bringen. Du wirst Elanor aufwecken.
Mmmpf mmmpfth mmm. Fastred zog sich das Würstchen aus dem Mund. Sie sollte überhaupt nicht schlafen, sie wird noch ihre erste Freudenfeuer-Nacht verpassen.
Die Luft war rauchig und wurde von flackernden Lichtern aus den knisternden Laubhaufen erhellt. Unter freiem Himmel gebratene Würstchen schmeckten ganz anders und viel besser als gewöhnlich; jedermann war damit beschäftigt, sich gründlich vollzustopfen.
Komm schon, El, wach auf. Fastred kitzelte sie, aber sie grummelte nur und schubste seine Hand weg.
Lass sie in Ruhe, Junge. schalt Sam. Komm her. Ich trag dich huckepack hinunter zum großen Feuer, wenn du magst.
Die beiden galoppierten davon und ließen Rosie, Elanor und Frodo auf dem Hügel zurück. Die auf den Feldern unter ihnen verstreuten Feuer erleuchteten ihre Gesichter.
Eine ziemlich zeitige Geburtstagsfeier für dich, nachdem du am kommenden Donnerstag ja leider nicht hier bist. sagte Rosie nach längerem Schweigen.
Nicht, Rose. Frodo legte seine Hand auf ihre. Lass uns jetzt nicht davon sprechen.
Also gut, aber so leicht kommst mir nicht davon. warnte sie ihn. Ich hab eine Menge zu sagen über diese Sache.
Davon bin ich überzeugt. Frodo versuchte, so ernst zu bleiben wie er konnte, dann nahm er sie in die Arme. Im Interesse der poetischen Gerechtigkeit kann ich nur hoffen, dass Elanor genauso viele Stacheln wachsen wie ihrer Mutter-Rose.
Du bist schrecklich komisch, ganz im Ernst. sagte Rose trocken.
Irgend ein schlauer Hobbit kam auf die Idee, eine Handvoll Knallfrösche in eines der Feuer zu werfen und schickte damit einen krachenden Funkenschauer in die Lüfte.
Das wird mit Tränen enden, wenn dieser Schwachsinn so weitergeht. Rosie hielt inne. Oh nein, ich höre mich an wie eine verantwortungsvolle Mutter, ganz wie meine eigene Mutter früher. Was soll ich bloß machen? Am besten, ich springe in den Mühlteich und kuriere mich davon.
Wie war das mit dem Mühlteich? fragte Merry, kam das letzte Stück den Hügel hinaufgeklettert und ließ sich neben Frodo auf den Rücken fallen. Pippin und Juweline kamen kurz danach dazu, und endlich auch Estella, die sich auf Merrys Beinen niederließ. Er grunzte protestierend, aber sie schenkte ihm keine Beachtung.
Ich habe gehört, ihr hättet gestern in der Bäckerei ziemlichen Schaden angerichtet. sagte Frodo. Scheinbar habt ihr die Pfefferkuchenmänner um ein paar körperliche Einzelheiten ergänzt, und dann habt ihr sämtliche Rosinen aus den süßen Brötchen gepickt, als euch der alte Rondo Weichgrün den Rücken zudrehte. Ich glaube, ihr habt es fertiggebracht, die einzigen beiden Mädchen im ganzen Auenland zu finden, die genauso durchtrieben sind wie ihr.
Juweline lachte. Die Geschichtsbücher werden von Thain Peregrin erzählen, dem Helden der freien Völker, und von der Tracht Prügel, die er für seine erregten Pfefferkuchenmänner bezogen hat.
Rondo würde mich nie verprügeln. Er hat mich Nachrichten überbringen lassen, wann immer ich bei Frodo zu Besuch war. Er hielt mich für den besten Helfer, den er je hatte.
Und das auch nur, weil er nichts von den Schokoladenkuchen wusste, die wir ihm immer gemopst haben. bemerkte Merry diplomatisch.
Habt ihr euch für einen Hochzeitstag entschieden? fragte Rosie und rieb Elanor den Rücken, als das kleine Mädchen begann, unruhig zu werden. Estella schüttelte den Kopf.
Nein, es wird nicht so bald sein. Wir sind noch viel zu verrückt, um vernünftig zu werden und zu heiraten. Außerdem hat noch niemand ein Bett gebaut, das groß genug für uns alle wäre.
Pippin warf eine Handvoll Gras auf Estella und bedachte sie mit ein paar sorgsam ausgewählten Ausdrücken. Merry warf noch mehr Gras zurück, zusammen mit genau den selben Ausdrücken.
Rose hier ist ein lebendes Zeugnis dafür, dass verheiratete Leute genauso verrückt sein können.
Das reicht jetzt wirklich von deiner Seite, Herr Beutlin. Rosie reichte Elanor zu ihm hinüber. Sie fängt an, sich aufzuregen, und du bist der einzige, der sie beruhigen kann, wenn sie in dieser Stimmung ist.
Es ist der Edelstein, er fasziniert sie. Frodo berührte den weißen Juwel an seiner Kette. Jetzt bist du noch zu klein dafür, Ellyelle, aber wenn du älter wirst, kannst du ihn dir um deinen hübschen Hals hängen. Deine Mutter wird ihn bis dahin für dich aufbewahren.
Brauchst du ihn denn nicht länger, Frodo? fragte Merry. Frodo schüttelte den Kopf, streckte die Beine aus und wackelte mit den Zehen.
Jetzt nicht mehr.
Ich will noch mehr Würstchen. erklärten Pippin und Juli gleichzeitig.
Ja, ich auch. stimmte Estella zu und kletterte von Merry herunter. Sollen wir euch welche mit raufbringen?
Wir kommen bald runter. sagte Frodo zu ihr, lehnte sich zurück auf die Ellbogen und sah den schattenhaften Gestalten zu, die um die Feuer herumrannten und deren Rufe und Schreie man aus dieser Entfernung kaum verstehen konnte. Elanor kuschelte sich in die Beugung seiner Schulter, immer noch in ihrer Babysprache vor sich hinplappernd. Er streckte eine Hand aus, spielte mit den Enden von Rosies langen Locken und fuhr die Linie ihrer Ohrmuschel entlang.
Wenn das ein Bilderbuch wäre, dann wäre dies hier die letzte Seite. sagte sie, die Stimme fest und sanft. Oben auf dem Hügel zu sitzen und zuzuschauen, wie Sam mit den Kindern spielt, deren Häuser er mit aufgebaut hat, während er die Blätter der Bäume verbrennt, die durch seine Hände gepflanzt wurden. Ich liebe ihn, wie ich den Sonnenschein und die Luft liebe.
Dann wandte sich Rosie Frodo zu und blinzelte die Tränen leuchtende Spuren im goldenen Licht aus ihren Augen.
Und dich, dich liebe ich wie die Sterne und das Wasser. Ich würde tausend Stunden lang auf dich einreden, wenn ich hoffen dürfte, das es irgend etwas nützt, aber es gibt nichts mehr zu sagen, nicht wahr?
Doch, Rose. Frodo nickte. Eines noch. Du kannst Lebewohl sagen.
Er weinte nicht. Sein Gesicht lächelte und war voller Frieden, als ob seine Augen Geheimnisse gesehen hätten, von denen Rosie nicht einmal zu träumen wagte. Frodo küsste behutsam ihre Tränen fort, dann setzte er sich so zurecht, dass ihr Kopf in seinen Schoß ruhte. Seine Handfläche strich ihre Haare glatt, während sie Sam zuschauten, der Fastred und Jacky um das Feuer jagte.
Es ist nicht gerecht. sagte Rosie. Es ist nicht gerecht, dass du so viel gegeben und so hart gekämpft hast. Es ist nicht gerecht, dass der Held um ein gutes Ende betrogen wird
dass es für ihn keine Belohnung gibt, wenn die Reise zu Ende geht.
Ich glaube nicht, dass ich betrogen worden bin, Rose. sagte Frodo und streichelte ihren Rücken. Ich hatte dich und Sam, und El, nicht wahr? Aber niemand kann für alle Zeit an der Weggabelung leben und für Winter ist es Zeit, zu gehen. Schsch, nicht weinen
Nach allem, was gewesen ist, hatte ich ein wirklich gutes Jahr.
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