Ein wirklich gutes Jahr (Pretty Good Year)
von Mary Borsellino, übersetzt von Cúthalion
Kapitel 37
Geburtstagsfest
1401
Hallo, irgendjemand zu Hause?
Sam hastete zur Vordertür und zog sie auf.
Herr Frodo? Hab gar nicht erwartet, dich ausgerechnet heute zu sehen. Noch viele fröhliche Geburtstage wünsch ich dir!
Dankeschön. Frodo grinste. Ich bin nur vorbeigekommen, um dir dein Geschenk zu bringen, dann muss ich mich fertigmachen.
Das hättest du nicht tun sollen
Es ist mein Geburtstag und ich tu, was ich will. Es ist sowieso nicht viel, ich dachte nur, dass es dir vielleicht gefällt.
Sam wickelte das kleine Stoffpaket aus, das Frodo ihm in die Hände gelegt hatte. Es waren ein Messer, eine Gabel und ein Löffel, alles zusammenpassend. Die Griffe trugen ein Muster aus eingeätzten Blättern, an den Spitzen waren sie gedreht und bemalt.
Es ist deswegen, weil ich für solche Spielsachen jetzt zu alt bin. Von heute an sollte ich ernsthaft und weise sein. Ein paar kleine Lachfältchen kräuselten sich in Frodos Augenwinkeln.
Das ist sehr freundlich von dir. Sam ließ seine Hände glücklich über die kleinen Geschenke gleiten. Aber ich muss mich wieder ans Kochen machen. Ich hab gerade erst mit dem Eintopf angefangen, und der Ohm und meine Schwestern kommen bald heim.
Erst angefangen? Das Fest fängt bald an, du wirst zu spät kommen!
Kein Grund zur Aufregung, ich bin nicht eingeladen.
Was
Frodos Augenbrauen schossen vor Überraschung nach oben. Natürlich nicht! Feste machen nicht halb so viel Spaß, wenn sich nicht noch welche klammheimlich mit hereinschleichen! Also, wenn das nicht mein eigener Geburtstag wäre und der von Bilbo, dann könnte ich mich selbst ohne Erlaubnis dazwischenmogeln. Ich wollte nie, dass du denkst, du könntest nicht willkommen sein, Sam.
Oh
Sam furchte die Augenbrauen. Nein, das wär nicht recht, es wär respektlos. Danke für mein Geschenk, ich wünsch dir viel Spaß.
Frodo schnaubte. Vielleicht bin ich doch noch nicht zu alt zum Spielen. Er schubste Sam abwärts in Richtung Küche. Komm schon, ich helfe dir, dann bist du schneller fertig.
Ein paar Kartoffeln warteten auf dem Tisch darauf, gepellt zu werden. Frodo nahm eine und zog das Messer so geschickt durch die Haut, dass sie in einem langen Streifen über dem weißen Fleisch herunterhing. Sam fühlte die Röte warm in seine Wangen steigen. Alles stand auf dem Kopf: es war Frodos Geburtstag, und er war hier und half Sam beim Eintopfkochen, und er hatte ihn jedenfalls irgendwie zum Geburtstagsfest heute abend eingeladen.
Rosie wird keinen Tanz und keinen guten Schluck auslassen. sagte Frodo absichtsvoll. Sie dreht sich wahrscheinlich gerade Locken ins Haar und legt sich ein Band um den Hals. Ein Mädchen von siebzehn wird wohl kaum die ganze Zeit mit Bilbos alten Freunden verbringen wollen, und ich fürchte, ich werde meinen Abend damit vergeuden, gutgemeinte Ratschläge abzuschmettern, dass es Zeit für mich wäre, zu heiraten. Du musst kommen, damit sie jemanden zum Tanzen hat.
Magst du Rose? Als Ehefrau, meine ich.
Frodo musste sich auf die Lippen beißen, weil Sam sonst denken mochte, dass er ihn auslachte, und er wollte ihn nicht kränken.
Ich denke, sie hat etwas anderes im Auge. Und ich würde sie in den Wahnsinn treiben, noch bevor eine Woche um wäre. Ich bin kein leicht erträglicher Zeitgenosse.
Bist du doch! gab Sam zurück. Ich meine, wenn du warten wolltest, bis sie erwachsen ist, dann wäre Rosie bestimmt glücklich, dich zu bekommen.
Ich glaube, du lässt mir mehr Lob zuteil werden, als ich verdiene, aber auf jeden Fall dankeschön. sagte Frodo. Deine Rosie würde es vielleicht mehr schätzen, wenn du mit ihr zusammen wärst.
Sie ist die Rosie von niemandem, vor allem nicht meine. Sam schüttelte den Kopf.
Aber du hättest gern, dass sies wäre, nicht wahr? beharrte Frodo. Sam antwortete nicht. Dann komm auf das Fest und verbring Zeit mit ihr. Du kannst ihr den Armreif geben, den ich ihr zu meinem Geburtstag gekauft habe, wenn du möchtest.
Ich weiß immer noch nicht, ob ich überhaupt kommen soll
Sam zog sich schüchtern zurück, als er Frodos drolligen Gesichtsausdruck bemerkte.
Und ob du sollst. Geh dir das Gesicht waschen und die Haare kämmen, dann marschieren wir zusammen los. Beeil dich!
Die Abenddämmerung hatte noch nicht eingesetzt; die Luft war diesig von einem Nieselregen und dämpfte die Lichter der Laternen auf der Festwiese zu flackernden Klecksen. Jedermann, den sie auf dem Weg trafen, hielt an, um Frodo einen schönen Geburtstag zu wünschen, ihm auf den Rücken zu klopfen und Witze darüber zu reißen, wie es war, erwachsen und vernünftig zu werden. Sam lächelte in sich hinein, denn trotz all seiner hervorragenden Eigenschaften würde aus Frodo wohl nie ein anständiger, vernünftiger Hobbit werden. Er würde immer jemanden wie Sam um sich brauchen, um ihn an Dinge wie Essen oder Schlafen zu erinnern.
Ein kleiner Junge, dessen freches Grinsen eindeutig nichts Gutes verhieß, wurde huckepack von einem nur wenig älteren, genauso verdächtig aussehenden Freund herumgeschleppt.
Guck mal, Merry, da ist Frodo ja endlich! rief der kleinere Bengel und zeigte auf ihn. Du hast mir noch kein Geschenk gegeben, Frodo!
Das mach ich schon noch, später. neckte Frodo zurück. Merry, trag ihn nicht so herum, er ist viel zu groß dafür.
Bin ich nicht! konterte Pippin und schlang seine Arme eng um Merrys Hals.
Argh, Pip, lass das, ich krieg keine Luft
ich hab mich schon gefragt, ob du jemals hier auftauchst, Frodo. Wir sind auf große Entdeckungsreise gegangen, um dich zu finden.
Also, nun habt ihr mich gefunden. Ich kann euch sagen, dass euch einiges bevorsteht. An eurer Stelle wäre ich nicht derart übermütig, solange ein halbes Dutzend blamierter Tanten darauf brennen, euch einen Satz heißer Ohren zu verpassen.
Das ist aber nicht immer so!schniefte Pippin hochnäsig.
Ist es wohl. erinnerte ihn Merry. Los, Frodo, jetzt komm endlich und sag allen Hallo. Dick hat schon überall Vanillepudding verschüttet.
Frodo wandte sich an Sam, der während des kurzen Gespräches zurückgeblieben war.
Hier, gib das Rose. Und viel Spaß! Er drückte Sam ein kleines Silberarmband in die Hand und rannte mit seinen Vettern davon.
Sam warf einen Blick zurück in den Beutelhaldenweg, in Richtung der ofenwarmen Küche, wo sich seine Familie wahrscheinlich gerade zum Abendessen hinsetzte. Dann schaute er auf das Armband in seiner Hand herunter und erinnerte sich daran, wie sehr er es liebte, Rosie tanzen zu sehen
und er ging den Weg hinunter, dem Fest entgegen.
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