Ein wirklich gutes Jahr (Pretty Good Year)
von Mary Borsellino, übersetzt von Cúthalion
Kapitel 38
Wind und Regen
Nächtlicher Wind und Regen gingen üblicherweise völlig an den Bewohnern von Beutelsend vorbei. Dicke Wände und mollige Decken sorgten dafür, dass sie oft erst am nächsten Morgen munter wurden ohne eine Ahnung von den Stürmen, die sie vielleicht verpasst hatten.
In dieser Nacht allerdings war einer der Fensterriegel nicht ganz richtig eingerastet, das Fenster flog krachend auf und von draußen kam ein Anhauch eisiger Luft. Frodo erwachte mit einem Schrei, die Hände in seinen Hals verkrallt auf der Suche nach dem weißen Edelstein, der dort hing, und Elanor fing an zu weinen.
Rosie beeilte sich, das Fenster gegen die Kälte zu schließen und Sam ging, um Elanor zu trösten, nachdem er überprüft hatte, ob Frodo wirklich bei sich war. Rosie entfachte ein kleines Feuer auf dem Rost und hielt ihre Handflächen dicht darüber, um sie zu wärmen. Sie zog die Schultern hoch und lächelte schläfrig. Regen, der draußen herabfällt, während man selbst drinnen ist, hat immer etwas Gemütliches.
Bring sie hierher ins Bett, Sam. ordnete sie an, kletterte zurück unter die warmen Decken und zog sie hoch bis zur Brust.
Sie ist nicht richtig zu sich gekommen, es war mehr so eine Art Gejammer im Schlaf. In letzter Zeit gönnt sie uns immer mehr ruhige Stunden. erklärte Sam und kuschelte sich neben Rosie.
Ja, sie wächst ziemlich schnell. Rosie und Frodo sagten es gleichzeitig und mussten lachen. Der Feuerschein zeichnete ihre Gesichter mit Herbstfarben und Schatten und ließ ihre Augen leuchten, während sie die Flammen betrachteten. Das Bett war warm und sie fühlten sich wohl, aber nicht müde, und der Klang des Regens war stark und laut.
Hattest du einen Alptraum, bevor du aufgewacht bist? fragte Sam Frodo, der einfach nur nickte. Rosie richtete sich auf und fuhr mit der Zunge die kleine rote Druckstelle entlang, die Frodos stumpfe Fingernägel in seiner Halsgrube hinterlassen hatten. Ihm stockte der Atem, als er die Wärme und Feuchtigkeit spürte, und Rosie lächelte gegen seine Haut.
Sams Hand bewegte sich ihren Rücken hinunter, glitt zwischen die sanften Kurven ihrer Schenkel und berührte sie mit der behutsamen Stärke, die seiner Natur entsprach. Sie konnte nicht anders als sich diesem Gefühl entgegenzuwölben; ihr Kinn hob sich, als ihr Kopf nach hinten sank. Frodo gab ein kurzes Wimmern von sich, als sich ihre Lippen von ihm lösten, aber dann kam er zu ihr; seine Finger verloren sich in ihrem Haar und sein Mund liebkoste die Stelle an ihrem Kiefer, wo das Blut pulsierte.
Der stete Trommelklang des Regens ertrank in den sanften, knackenden Geräuschen des Feuers; die Welt schien ein sehr großer und sehr dunkler Ort zu sein rings um ihr helles, kleines Zimmer.
Rosie rollte auf den Rücken und zog Sam mit hinunter, bis er halb über ihr lag; sie wand sich, bis ihre Hand von Frodos Schulterblatt in die Kissen gepresst wurde. Ihre Nägel waren nicht viel länger als seine, kurz durch harte Arbeit, aber glatt durch Pflege. Sie waren aber immer noch genügend lang, um aufreizende Spuren über die Ebenen und Kanten seiner Rippen und seiner Wirbelsäule zu ziehen.
Eine von Sams Händen lag flach auf ihrer Brust und bewegte sich gerade genug, dass Rosie nach mehr hungerte. Die andere umschloss ihr Hinterteil und hob sie hoch. Frodo ließ federleichte Küsse über Rosies Schultern und ihren Arm hinunterregnen, bis dorthin, wo ihre Hand sich an Sams feste Seite klammerte. Dann flatterten die Küsse Sams salzig feuchten Körper hinauf bis in seinen Nacken. Sam, der kehlig und rasch atmete, bewegte seine Hand weg von dort, wo sie Rosies Brustspitze gestreichelt hatte und zog Frodo zu sich nach oben, wo sich ihre Münder begegnen konnten. Schlaf und Wärme und Zuhause und der gute Ausgang aller Geschichten war versammelt im Geschmack ihrer Zungen, Verlust und Schmerz und Verzweiflung und freundlich reinigende Herbststürme, alles auf einmal.
Sam. sagte Rosie wieder und wieder, das Wort überstürzte sich und verlor seine Bedeutung, wurde manchmal zu Frodo oder zu etwas, das gar kein Wort mehr war und das mitschwang in der Bewegung ihrer Körper.
Blitze die draußen ebenso zuckten wie tief in Rosies Bauch, flackernde Lichtstrahlen, die sich so gut anfühlten, dass es beinahe schmerzte, ein dumpfer, erfüllter Schmerz, ausgelöst von Wärme und davon, gegen saubere Leintücher gepresst zu werden.
Frodo knabberte jetzt sanft an Rosies Ohrläppchen; er saugte an ihrer Haut und seine Zähne bissen fest genug zu, dass sie das Kneifen spürte.
Sam konnte sich an jede Gelegenheit erinnern, bei der er so voller Liebe gewesen war, dass sie fast aus ihm herausbrach
ob draußen in den Obstgärten, mit Schlamm zwischen seinen Zehen, der kalt und voller Wachstum war, oder in grausamen Steintürmen, die man besser vergaß. Und doch hatte er nie etwas gefunden, das so erfüllend war wie dies hier.
Ein wenig Regen war den Kamin heruntergekommen und ließ das Feuer rauchen, aber der Rauch hatte einen angenehmen Duft nach Kräutern und kitzelte in der Kehle wie Gelächter.
Sam zog sich ein wenig zurück, als Frodos Hand zwischen sie glitt, um Rosie zu liebkosen. Sie gab einen zischenden Laut von sich angesichts der Berührung dieser geschickten, kühlen Finger und bäumte sich auf gegen ihren Verlust. Denn Frodo bewegte sich weg von ihr und brachte nun Sam dazu, sich stöhnend den selben geschickten Fingern entgegenzuwölben, die seine gesamte Länge mit Rosies Nässe überzogen.
Rosie und Sam küssten sich erneut. Frodo schob sich gegen Sams Körper und Rosies Zähne schlugen mit einem scharfen, saugenden Atemzug aufeinander, als Frodos Hand ihre vorherige Beschäftigung wieder aufnahm. Sie fragte sich, wie seine Finger wohl schmeckten; sein Aroma von Seife und Tinte immer noch stark unter ihrem eigenen, das erdig war und voller Reife.
Sams Mund lag schmerzhaft fest auf ihrem, als Frodo seine Härte in sich aufnahm. Rosie schwang mit im gemeinsamen Rhythmus der beiden, während Frodos Hand sich immer noch mit aufreizendem Druck bewegte. Der Regen draußen fiel nun mit aller Macht; drinnen war die Luft durch Feuer, Rauch und Feuchtigkeit so berauschend und schwer wie in einem Dschungel.
Sie wirkten so gegensätzlich
Sam golden und vor Gesundheit glühend, Frodo dagegen fast silberweiß, leuchtend und mit einer unwirklichen Grazie. Und doch passten sie zusammen, als wären sie füreinander gemacht worden. Rosie begriff mit erstaunlicher Klarheit, dass sie imstande war, jeden umzubringen, der auch nur den Versuch machte, einem von beiden wehzutun.
Sam verlor sich völlig in dem Gefühl von Rosies Körper an seiner Seite, darin, wie Frodo aussah mit zurückgeworfenem Kopf, den Mund weit offen. Seine Rosie. Sein Frodo. Was sich von Anbeginn an in der Welt zugetragen hatte, war geschehen, um sie alle zu diesem Augenblick zu führen, hinein in diese vertraute und überwältigende Wärme.
Rosie und Sam küssten sich unaufhörlich; ihre Münder teilten Geheimnisse, die keine Worte brauchten. Frodos Lippen schwollen an vor Verlangen nach ihnen und von dem Wunsch, ein Teil dieser Küsse zu sein. Aber auch ohne ihn war dies sein Kuss, jede Einzelheit an ihnen war sein. Roses unvorstellbare Hitze um seine Hand, Sam, pulsierend, hart und kraftvoll in ihm.
Ihre Stimmen vereinigten sich stöhnend und nach Luft ringend zu einer und sie näherten sich mit jedem neuen Atemzug der Befreiung, so, als läge direkt vor ihnen eine dunkle, warme Klippe.
Dann mit einem letzten Aufbäumen, einem letzten Drängen und einem letzten Stoß sanken sie alle übereinander, die Stimmen vereint wie zu einem harmonischen Chor, als sie gleichzeitig das Wort Mein! beschworen wie eine Zauberformel. Ihre Augen strömten über angesichts der tiefen Liebe, die sie in diesem Moment empfanden, und auch angesichts des Versprechens, der Drohung und der Wahrheit, die ein so kleines Wort enthalten konnte.
Mein
mein
wiederholten sie zwischen sanften Küssen, und Worte wurden zu Geflüster und erstarben dann im Schlaf. Der Regen fiel immer noch, ein Wiegenlied, das sie ins Land der Träume schickte.
Bis zum Morgen war der Sturm vorbei; er hinterließ die Welt rein geschrubbt und frisch. Sie saßen auf der Bank neben der Vordertür. Frodo nippte an heißem, süßen Tee, Rosie fütterte Elanor und Sam rechte die nassen Blätter zusammen, die der Sturm heruntergeblasen hatte. Oben im Himmel, in das endlose Grün der Felder ausgestreckt, wölbte sich ein Regenbogen.
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